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Berichte über das Jugendparlament

Schweißperlen im Ausschuss

In den Fachgremien wird bis zuletzt um Argumente und Posten gekämpft

Der Ausschuss für Europäische Identität hätte sich eigentlich bei Oliver Löffler (18) bedanken können. Nicht akademisch, dafür aber durchaus lebensnah hat der Gymnasiast seine Vorstellung des „Wir-Gefühls“ benachbarter Staaten formuliert. Irgendwas muss schließlich dran sein, wenn der tschechische Gitarren-Lehrer über die gleichen Witze lacht wie der Gymnasiast aus dem grenznahen Cham. Doch trotz ausgefeilter Argumentationsketten – für die Wahl zum Ausschuss-Vorsitzenden hat es in der Fachgruppe „Identität“ am Ende doch nicht gereicht.

Dass auch Kristina Tatarinova (21) bei der Abstimmung leer ausging, war indes nicht zu erwarten. Die gebürtige Russin hatte zuvor ein leidenschaftliches Plädoyer für ihre unermüdliche Arbeitsbereitschaft gehalten. Sie sei nun mal eher eine Hardlinerin, die ihren Kollegen bei der Ausarbeitung der Resolution viel abverlangen werde. „Wieviel?“, wollte Patrick Schallweg (16) dann auch prompt wissen. Er sei zwar nicht faul, aber mit so viel Arbeit habe er dann doch nicht gerechnet, ließ er Kristina wissen, die sich längst mit ihrer Zukunft als angehende Islamwissenschaftlerin professionell auseinandergesetzt hat. Doch die Münchenerin wollte keine Anstrengungs-Amnestie gewähren. Ein Sieg schien ihr sicher, wäre da nicht der wohlfeile Auftritt von Gökhan Gulmez (19) gewesen. Der Abiturient wollte den geplanten EU-Beitritt der Türkei unbedingt auf die Agenda setzen. Provokative Fragen aus den Reihen seiner Mitstreiter meisterte er mit Bravour. Als Belohnung winkte schließlich das Amt des Ausschuss-Vorsitzenden.

Auch im Ausschuss für Arbeitsmarkt und Sozialpolitik wurde heftig debattiert. Versuche, Umschreibungen wie den „neoliberalen Zeitgeist“ in eigene Wort zu kleiden, erhitzten die Gemüter der Diskutanten bisweilen so stark, dass Teamer Piotr Kotcyba (26) hin und wieder zu Sachlichkeit mahnen mussten. Sein Fazit fällt dennoch positiv aus: „Wir haben hier wirklich als ganze Gruppe intensiv nach Lösungen gesucht. Das ist keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, mit welch unterschiedlichem Vorwissen die Teilnehmer nach München gereist sind“, so Kotcyba.

Profitiert haben vor allem Schüler, deren Lehrplan sonst ganz andere Lerninhalte vorsieht. Sie haben nun die grundlegenden Ideen der Lissabon-Strategie verstanden, können die Aufgaben des Europäischen Sozialfonds benennen und die Beschäftigungs- von der Arbeitslosenquote unterscheiden. Dass man mit seinem Wissen trotzdem schnell an Grenzen stoßen kann, hat indes Sarah Laquer (19) gespürt. „Hätte ich mehr über den Mindestlohn gewusst, hätte ich noch besser mitreden können“, gesteht die Nürnbergerin selbstkritisch ein, einen Grund zur Resignation sieht sie deshalb nicht. „Sicher können wir an der einen oder anderen Stelle nur mit Spekulationen aufwarten. Aber das ist nicht schlimm. Wichtig ist, dass wir begreifen: Die Themen gehen uns tatsächlich etwas an.“

Marco Heuer

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