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Berichte über das Jugendparlament

Eine unglaubliche Energie

Stella Schmid zeigt Führungsstärke als Präsidentin des Bayerischen Jugendparlaments

Klassensprecherin war sie nie - sie ließ sich lieber gleich zur Parlamentspräsidentin des Bayerischen Landtags in Amt und Würden wählen. Stella Schmid (18) verkörpert das, was andere wohl als ausgeprägten Sinn zur Authentizität, Meinungsfreude und Überraschungsbereitschaft bezeichnen würden: Erfrischend, direkt, vor allem aber unkonventionell. Die gebürtige Münchnerin macht keinen Hehl daraus, dass sie die Schule bisweilen sträflich vernachlässigt hat, um ihren Hang zum Savoir-Vivre auch mal in Berlin oder Barcelona unter Beweis zu stellen. Spontan versteht sich. Denn der Reifeprozess hat seine eigenen Gesetze. Dass sie als 18-Jährige noch immer die 10. Klasse des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums besucht – Nebensache.

Stella

Inzwischen wohnt die von der Münchner Polizei regelmäßig in Augenschein genommene junge Frau mit den Dreadlocks in einer Kommune der Landeshauptstadt. Demos gegen den Irak-Krieg, Proteste gegen Neo-Nazis, Büchergeld und Studiengebühren prägten ihr politisches Bewusstsein. Das Jugendparlament hat ihr eine neue Tür aufgestoßen. „Ich möchte mich jetzt selbst in der Politik engagieren. Mal schauen, was sich bei den ´Grünen´ machen lässt.“
Im Maximilianeum war das bereits eine ganze Menge. Vor allem in punkto Diskussionskultur setzte die Nachwuchsparlamentarierin schon vor Beginn der Plenardebatte deutliche Zeichen. Die Einhaltung der Menschenrechte, Toleranz und Achtung vor dem Andersdenkenden – all dies müssten Kennzeichen eines Redebeitrags sein, lässt sie auf einem Papier im Ausschuss für Arbeitsmarkt und Sozialpolitik festhalten. Man schmunzelt, doch man nimmt sie ernst. Zu beeindruckend ist die Überzeugungskraft, mit der sie die Ausschuss-Mitglieder immer wieder an die eigene Gestaltungskraft erinnert. Illusionen macht sich Stella dennoch keine. „Ich denke, für die Politiker sind unsere Resolutionen nicht mehr als eine Meinungsumfrage. Dabei müsste das Gegenteil geschehen. Die Verantwortlichen sollten zeigen, dass sie es ernst mit uns meinen.“

Dass Stella zu ihren Worten steht, bekam auch der jugendpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Linus Förster, zu spüren. Er solle den Ausschuss weniger über die Vorzüge der Sozialdemokratie aufklären, als sein Fachwissen zur Verfügung stellen. Zum Affront kam es dennoch nicht. Förster mag solche klaren Ansagen. Couragiertes Auftreten von Jugendlichen ist eine seiner Lieblingsforderungen.
Im Plenum ist man derweil auf die Eröffnungsrede der Parlamentspräsidentin gespannt. Das geht auch Stella nicht anders. Sie spricht frei - ohne wirkliche Aufzeichnungen. Was am Ende dabei rauskommt, weiß auch sie nicht – „bei 90-prozentiger Improvisation“, wie sie selbst mutmaßt, „kein Wunder“. Aber so sind die nun mal, die Schmidschen Präsentationen – ein bisschen ungelenk, dafür aber umso ehrlicher.

Auf der abschließenden Pressekonferenz – Seite an Seite mit den gestandenen Berufspolitikern - diktiert sie den anwesenden Journalisten noch mal die Vorzüge des Jugendparlaments in die Notizblöcke. „Diese Energie hier, das hätten Sie mal miterleben müssen“, strahlt eine erschöpfte, aber umso zufriedenere Präsidentin. Mehr Zeit zum Diskutieren hätte sie sich gewünscht, dazu vielleicht noch eine bessere Mischung der Gruppe: mehr Hauptschüler, behinderte Teilnehmer und Studenten mit Fachwissen – all das wären für die 18-jährige Münchenerin noch Verbesserungsvorschläge gewesen, allerdings für eine Veranstaltung auf ohnehin schon hohem Niveau. Aber auch so werde sie von ihren Erlebnissen noch lange zehren. Auch wenn sie in ihrem Freundeskreis bis heute noch ungläubig gefragt wird: „Haben die Dich wirklich zur Präsidentin gewählt?“

Marco Heuer

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