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Berichte über das Jugendparlament

Jugendparlamente in den Lehrplan

Schule muss sich stärker von Lern- zur Lebenswelt verändern

Dr. Linus Förster ist jugendpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion in Bayern. Während des Jugendparlaments stand er den 87 Nachwuchsparlamentariern mit Rat und Tat zur Seite. Försters zentrale Forderung: Stellt den Politikern mehr unbequeme Fragen. Mit ihm sprach Marco Heuer.

 

Herr Förster, sind Jugendparlamente eine wirkungsvolle Form der Beteiligung?

Absolut. Deshalb sollten sie auch regulärer Bestandteil des Sozialkundeunterrichts werden. Ich rede hier bewusst von festen Strukturen. Natürlich ist es schön, hier im Landtag eine so repräsentative und glanzvolle Veranstaltung durchzuführen. Wir müssen aber schauen, dass wir die Jugendlichen auch in der Breite erreichen. Die Aktionstage an den Schulen würden sich dafür wunderbar eignen. Die Rahmenbedingungen müssen aber stimmen. Das Kultusministerium müsste die Kosten übernehmen, externe ausgebildete Teamer sollten die Projekte durchführen. Die Lehrer darf man damit jedenfalls nicht allein lassen, im Gegenteil, sie brauchen eher Entlastung.

Was können Jugendliche bei einem Jugendparlament lernen, was sie in der Schule sonst nur schwer vermittelt bekommen?

Sie bekommen ein Gefühl dafür, was es heißt, Kompromisse zu finden. Sie merken: Wer gut argumentiert, kommt schneller zum Ziel. Der Teamgeist wird gestärkt und natürlich auch die Kritikfähigkeit. Die eigene Position in den Ausschüssen und im Plenum immer wieder aufs Neue zu verteidigen, ist nicht einfach. Da geht es den Berufspolitikern übrigens nicht anders.

A propos Berufspolitiker, welche Fragen werden Ihnen von Jugendlichen denn immer wieder gestellt?

Wenn ich von meinem politischen Alltag erzähle, höre ich immer wieder: „Ich hätte Probleme, mich so für einen Kompromiss zu verbiegen.“ ... (Förster lacht) ... Naja, da haben die Jugendlichen schon recht, aber das gehört zur Politik eben auch dazu. Aber mal ganz ehrlich: Was mich selbst aufregt, ist die Unehrlichkeit vieler Politiker – gerade wenn es um Jugendthemen geht. An Tagen, wo die Presse nicht vor Ort ist, kommen viele meiner Kollegen erst gar nicht. Die gleichen Leute werden aber nicht müde, immer wieder über die Bedeutung von Partizipation zu sprechen. Was sie eigentlich meinen: Im Rechenschaftsbericht des Landtags sollte das Wort nur mal vorkommen. Mit gelebter Beteiligung hat das wenig zu tun.

Ist das politische Engagement der Jugendlichen in den letzten Jahren zurückgegangen?

Ich stelle zumindest fest, dass viele Schüler und Studenten einfach zu brav geworden sind bzw. immer noch zu brav sind. Eine Mitschuld trägt dabei auch unser Bildungssystem. Schule und Universität sind mittlerweile so modularisiert, dass es an experimentellen Freiräumen fehlt. Wo sollen sich die jungen Leute denn noch ausprobieren, wenn nicht dort? Übrigens: Auch in den Jugendverbänden spielt die politische Arbeit eine zu geringe Rolle.

Was würden Sie sich konkret von der Schule wünschen?

Dass ein radikales Umdenken stattfindet. Wir brauchen die Schule in erster Linie als Lebens- nicht als Lernwelt. ... (Er schmunzelt) ... Die Jugendlichen fordere ich auf, die Politiker wieder verstärkt in den Hintern zu treten. Nur wer lernt, unbequeme Fragen zu stellen, setzt sich auch mit seiner eigenen Zukunft verantwortungsvoll auseinander. Landtagspräsident Glück hat in diesem Zusammenhang sogar schon mal zur „jugendlichen Rebellion“ aufgerufen.

Mit welchen Gedanken und Gefühlen sollten die bayerischen Schüler und Studenten denn vom Jugendparlament wieder nach Hause fahren?

Schön wäre es, wenn möglichst viele von ihnen denken: „Politik ist zwar komplex, aber sie lässt sich auch mitgestalten.“ ... (Förster überlegt) ... Ja, und dann sollten sie sagen: „Ich will das künftig auch tun.“

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